HATSUNE MIKU BRINGT J-POP AUF DIE PLAYSTATION

Sie wurde als virtuelle Figur designed, um einer künstlichen Stimme eine Gestalt zu geben. Auf Grund des großen Erfolges machte man ein eigenständiges Produkt aus ihr und heute zählt sie zu den größten Musik-Ikonen des Landes… Nein, die Rede ist nicht von Frau Fischer, wir befinden uns gedanklich in Japan und es geht um Hatsune Miku.

Software-Instrumente sind in der Musik nichts ungewöhnliches mehr. Seltener sind da schon -relativ- natürlich klingende Gesangsstimmen aus der Konserve. Kurz nach der Jahrtausendwende erfand Instrumenten-Traditionalist Yamaha einen solchen Synthesizer und nannte ihn Vocaloid. Die Software war speziell für den japanischen Markt entwickelt und lieferte für fernöstliche Popmusik eine erstaunlich gut funktionierende künstliche Stimme.
Die Software bestand aus verschiedenen Modulen, die sich in Stimmlage und Aussprache unterschieden. Von Anfang an benutzte Yamaha für diese Module Personennamen, da man Stimmen natürlich gern mit zugehörigen Menschen assoziiert. Dass Vocaloid deutlich mehr konnte, als den japanischen Markt zu bedienen, zeigte übrigens 2005 Mike Oldfield, der für sein Album “Light & Shade” einige Tracks mit der Software einspielte.

2007 erschien die deutlich erweiterte und verbesserte Version der Software, Vocaloid2. Das erste und heute wohl bekannteste Modul trug den Namen “Hatsune Miku”. Die dazu entwickelte Anime-Figur gehört inzwischen fest zur japanischen Popkultur, es sind unzählige Videoclips, Illustrationen, Merchandising-Artikel und natürlich Musikstücke entwickelt worden. Seit 2013 gibt es eine für die englische Sprache optimierte Version von Hatsune Miku – zumindest für westliche Ohren sind also heute auch vertrauter klingende Stücke möglich.

Hatsune Miku hat es geschafft, als künstliche Person mit künstlicher Stimme eine Popularität im Popbusiness zu erreichen, die der eines echten Menschen gleicht.

Natürlich existieren mittlerweile auch zahlreiche Videospiele, die sich um das Hatsune Miku- und Vocaloid-Universum drehen. Das sind – naheliegend – hauptsächlich Musikspiele, bei denen Ihr zum Takt der Musik auf Abfolgen von Tastenkombinationen hämmern müsst, ohne aus dem Rhythmus zu geraten. Die neueste Inkarnation namens “Hatsune Miku: Project Diva F 2nd” bringt den Knopfdrück-Stress auf die PS3 und die Vita – und bestätigt damit mal wieder, dass europäische Japan-Fans derzeit noch mit der Last-Gen oder Handhelds optimal bedient sind. Die insgesamt 40 Titel des Spiels sind kitschiger J-Pop, die Aufmachung ist quietschbunt und das Spielprinzip hektisch und fordernd. Doch das Gesamtpaket stimmt und Genre- oder Hatsune-Fans sollten in jedem Fall zugreifen. Alle anderen dürfen aber auch gern einmal probespielen – und sich vielleicht positiv überraschen lassen.

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