„DIE AGONIE UND DIE EKSTASE DES STEVE JOBS“ – SCHAUSPIELHAUS DORTMUND

Zur Zeit gastiert das Theaterstück „Die Agonie und die Ekstase des Steve Jobs“ in Dortmund – in der Erstaufführung im deutschsprachigen Raum. Dem Zuschauer fällt schon beim Betreten des Theaterraums der unkonventionelle Touch des Abends auf: Es gibt keine Bühne, keine Ränge. Im Saal finden die Zuschauer in lockeren Sitzgruppen Platz auf allerhand verschiedenem Gestühl, inmitten von Paletten mit Computerschrott, Lagerregalen mit Kartons und einem angedeuteten Büro.

So schafft Regisseurin Jennifer Whigham eine lockere und ungezwungene Atmosphäre, in der sich Darsteller Andreas Beck auch gern zwischen den Zuschauern hin und her bewegt, mal an seinem – Steves – Schreibtisch sitzend, mal chinesische Spielzeuge und Packmaterial aus den Lagerkartons kramend.

Das Stück ist Wissensvermittlung, gut geschauspielert – ohne Pathos und ohne große Pointen. In seinem Monolog wechselt Andreas Beck in der Rolle als Technik-Geek und Apple-Fan zwischen den zwei Erzählsträngen. Der eine ist die Gründungsgeschichte der Firma Apple und bringt für Zuschauer mit Vorkenntnissen in der IT-Geschichte (oder Leser der Jobs’schen Autobiografie) keinerlei Neuigkeiten mit sich. Dennoch ist die Geschichte gut dargestellt und teils mit humoristischen Einlagen wie dem nachgespielten Telefonanruf bei Jobs Wiedereinstellung nach seinem Rauswurf gewürzt.


Der andere Handlungsstrang befasst sich mit den Fertigungsbedingungen in chinesischen Fabriken – immerhin 50% aller technischen Gerätschaften stammen in irgendeiner Form vom chinesischen Megakonzern Foxconn, und Schlagzeilen über die teils unmenschlichen Bedingungen für die Arbeiter machen seit Monaten in der westlichen Presse die Runde.

Nun ist kein Konzern so eine Modemarke und Zeitgeisterscheinung wie Apple, daher haben die meisten Berichte zur Zeit den Apfelkonzern als Aufhänger. Zu einer Firma, die mit Luther King und Gandhi und dem „Think Different“-Slogan wirbt (oder: warb) passen unmenschliche Fertigungsbedingungen eben noch weniger als zu Konzernen, die neben Smartphones und Kühlschränken auch vollautomatische Tötungs-Drohnen als Kerngeschäft haben. Dass die gesamte Branche auf Konzernen wie Foxconn aufbaut, und dass es nicht aus der Verantwortung entlässt, wenn man statt des iPad das Google Nexus kauft, wird dem Zuschauer schnell klar.

So wird der eine oder andere sein Smartphone sicherlich mit anderen Augen beim Verlassen des Theaters wieder anschalten, die Möglichkeiten, tätig zu werden oder zumindest, sein Konsumverhalten etwas nachhaltiger zu gestalten, gibt Andreas Beck seinen Gästen per Handzettel am Ausgang mit.

Fazit

Ein gelungener Abend, der die interessante Geschichte Apples und Steve Jobs‘ mit Informationen über ein grundlegendes Problem der globalisierten Welt und unserer konsumorientierten Gesellschaft verbindet. Ein Abend, der nachdenklich macht. Und eine präsente und gut gespielte Darstellung durch Andreas Beck. Sehenswert!

Darsteller: Andreas Beck, Regie: Jennifer Whigham, Buch: Mike Daisey (2011)

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