Die Sache mit der Notch

Die neuen MacBook Pros sind erschienen, und bevor jemand sie wirklich in der Hand hält, diskutiert die Welt über zwei Dinge. Die – zumindest auf dem Papier – beachtliche CPU-Leistung, die sich aus der Kombination der ARM-Prozessorarchitektur und einem geschlossenen, kompromisslos aufeinander abgestimmten Ökosystem ergibt.
Zum anderen über das etwas seltsam anmutende Screen-Layout. Denn die MacBook Pros haben eine „Notch“. Das kannte man bisher nur von Smartphones, und auch da ist es nicht unbedingt beliebt.

Allgemein akzeptiert sind solche Notches als technische Notwendigkeit, die sich ergibt, wenn man ein Gerät mit einem Bildschirm ausstatten möchte, der möglichst bis an die Ränder heranreicht, und gleichzeitig noch Bauteile wie eine Webcam einbauen möchte – Smartphones eben.

Bei Notebooks gibt es schon seit längerem den Trend, möglichst kleine und dünne Bildschirmränder, „Bezels“, zu verbauen. Die moderne Anmutung der Geräte erfordert so etwas in 2021 einfach, was man immer dann bemerkt, wenn man ein Gerät, das ein paar Jahre alt ist, neben einem modernen Pendant sieht. Die dicken schwarzen Trauerränder fallen einfach sofort ins Auge.

Wegen des jahrealten Designs gehörten MacBooks mittlerweile zu den auffällig „dickrandigen“ Notebooks, was Apple mit den aktuellen Geräten geändert hat. Anbieter wie HP, Dell oder Huawei sind schon seit Jahren deutlich schlanker unterwegs, was diesen Aspekt angeht.

Eine Frage stellt sich beim Design eines möglichst schmalen Randes: Wohin mit der Webcam? In der Übergangszeit haben einige Hersteller da interessante, bisweilen skurrile Trade-Offs zwischen dünnem Rand und Webcam gebaut. Da gibt es ausklappbare F-Tasten oder die Webcam wird direkt an die untere Kante des Bildschirm verlegt – beides führt mitunter zu interessanten „In die Nase guck“-Perspektiven im Videomeeting. Mittlerweile schaffen es aber die Hersteller durchaus, in einem zeitgemäßen, dünnen Rahmen eine Webcam zu verbauen, wie z.B. das Dell XPS 17.

Apple hat sich für eine Notch entschieden, und nutzt den neben der Notch entstehenden Platz für die macOS-Menüleiste – sobald jedoch Medien oder Drittanbietersoftware laufen, ist auch dieser Platz verschenkt. Die runden Ecken an der Screenoberseite erfordern sowieso, dass rechteckige Bildschirminhalte (quasi alles bisher dagewesene) die oberste Leiste freilassen.

All diese Kompromisse und etwas skurrilen Anmutungen dienen ja dem Zweck, die Technik verbauen zu können – doch hier gibt es zwei Probleme. Zum einen ist die aus dem iPhone bekannte Technik „Face ID“, die ein Hauptgrund für die dortige Notch ist, im MacBook Pro nicht vorhanden. Das ist schade, zumal mit „Windows Hello“ bei der Konkurrenz eine solche Möglichkeit längst gegeben ist. Daraus folgt, dass es sich bei dem Grund für die Notch lediglich um eine schnöde Webcam handelt – und hier zeigen eben andere Hersteller, dass da durchaus ein diskreterer Einbau möglich gewesen wäre.

War die Notch also wirklich technisch notwendig? Die Frage, ob nicht – mal wieder – eine exotische Design-Entscheidung nur um der Exotik willen (runde Ecken) mit hereingespielt hat, trübt also den Gesamteindruck.

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