VISUAL NOVEL – NACHSCHUB FÜR DEN WESTEN

Visual Novels – wir schrieben es bereits hier – sind ein im Westen eher wenig beachtetes Genre. Zwischen dem boomenden eBook-Markt, Casualspielchen für Smartphones und millionenschweren Heimkonsolenproduktionen wollen die interaktiven Erzählungen nicht so recht ihre Nische finden. In Japan sieht die Lage völlig anders aus – sowohl für den mobilen, wie auch den stationären Spielesektor erscheinen regelmäßig neue Erzählungen in schier unüberschaubarer Menge.

Schon seit Jahren gelten Visual Novels auch bei hiesigen Fans als Geheimtip. Der Hauptgrund, weswegen die Szene bisher recht überschaubar blieb, dürfte die Sprachbarriere sein. Japanisch lernt man nicht nebenbei, und Importieren und Patchen mit englischen oder gar deutschen Fan-Übersetzungen erfordert einen großen Aufwand. So etwas hilft einem Produkt natürlich nicht, im Mainstream Fuß zu fassen. Außerdem sind die meisten Geschichten wirklich sehr “japanisch”.
Während es uns leicht fällt, den kulturellen und gesellschaftlichen Hintergrund von z.B. amerikanischen oder französischen Erzählungen auf unseren eigenen Kosmos zu übertragen, basiert die japanische Kultur auf uns völlig fremden religiösen und gesellschaftlichen Grundlagen. Auch hier muss der Leser also zunächst viel grundlegendes Interesse mitbringen, um die feinen Nuancen und Aussagen in der sehr indirekten japanischen Erzählweise zu verstehen.

Dank weltweiten Distributionsmöglichkeiten und Crowdfunding schwappen heute immer regelmäßiger übersetzte Visual Novels aus Japan zu uns herüber. Zumindest für Leser, die dem Englischen mächtig sind, bietet der Markt heute einige Highlights des Genres. Große Titel wie “999 – nine hours, nine persons, nine doors” oder die “Danganronpa”-Teile findet der Käufer sogar im Elektronik-Discounter. Vermehrt treffen aber auch kleinere Produktionen im Westen ein, die dank Steam oder Kickstarter für ein großes Publikum zur Verfügung stehen.

Kürzlich erschienen auf Steam gleich mehrere Visual Novels, die sowohl für Fans als auch für Einsteiger einen Blick wert sind – wir haben zwei Empfehlungen für Euch:

“Sword of Asumi”
Vor kurzem erfolgreich durch Crowdfunding erreicht, steht seit Anfang Januar die englische Fassung des Spiels im virtuellen Steam-Regal. Die Geschichte um das Mädchen Asumi, welches einem alten Assassinen-Orden angehört, und in eine Schule für Samurai eingeschleust einen Auftrag erledigen soll, erinnert ein wenig an die ewigen Assassinen-/Templer-Konflikte aus Ubisofts großen Erfolgsspielen. Gleichzeitig bietet die Erzählung verschiedene Romanzen-Optionen – ganz Mass-Effect-like sogar gleichgeschlechtlich. Fanservice, auf den Japaner so stehen, ist in Form der größten freispielbaren Kleidungssammlung der Videospielgeschichte enthalten… Man könnte der Story eine gewisse Vorhersehbarkeit vorwerfen, dennoch ist sie gut geschrieben – gerade für Einsteiger könnte das auch als Pluspunkt gelten. “Sword of Asumi” ist bei Steam für Mac, Linux und Windows verfügbar, Kostenpunkt 15,99 €.

“fault milestone one”
Mit wunderschönen Zeichnungen und einer für das Genre beispielhaften audiovisuellen Präsentation begeistert diese Novel, die den Spieler in eine alternative Fantasy-Welt entführt. Nach einer Ära des Friedens sieht sich das Königreich Ruzenheid mit der Invasion eines mysteriösen, fremden Feindes konfrontiert. Prinzessin Selfine und ihre Freundin Ritona müssen der Gefahr entkommen und herausfinden, was hinter dem Angriff steckt…
Steam, für Windows, Mac und PC, Kostenpunkt 14,99 €.

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